Zauberer in Urlaub
- vor 12 Stunden
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Na, da bin ich ja nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen! Naja, und ein zwei Kratzer und einer Prellung und so hab ich natürlich auch noch abgekriegt. Urlaub ist einfach nix für mich.
Ich bin gerade auf Gran Canaria; denn ich wollte vor der langen Showzeit, die vor mir und uns liegt, noch einmal auf und davon in südlichere Gefilde (wobei, Gefilde sind das eigentlich nicht hier nicht, denn ein Gefild ist "eine weite, sonnige, liebliche Landschaft bzw. Flur mit dem Charakter eines offenen, nur sanft geneigten Geländes." Sonnig ist Gran Canaria auf jeden Fall, aber lieblich? Sanft geneigt? Nicht wirklich... Eher schroff und felsig, aber auch schön auf ihre Art!).
Ich wollte zunächst den Süden erreichen ohne ins Flugzeug steigen zu müssen und habe festgestellt, dass das zumindest für eine Woche nicht möglich ist. Also möchte ich mich an dieser Stelle bei der Umwelt und damit auch bei Euch Leserinnen und Leser entschuldigen, dass ich unseren Planeten mit den Ausdünstungen eines Fliegers belastet habe. Es kommt garantiert nicht mehr so bald vor.
Ich war dann erst mal in Las Palmas und dachte: Cool, dann kann ich Nightlife und Strand kombinieren. Aber: denkste. Großstadt ist eben doch Großstadt und daher kam in Las Palmas kein rechtes Urlaubsgefühl auf. Auch sind die Hotels in Las Palmas irgendwie größtenteils abgerockt. Bei meinem ersten Hotel zum Beispiel war zwar ein Pool auf dem Dach und ich hab den auch genutzt, aber es gab zum Beispiel auch Tauben, die das Erlebnis irgendwie weniger erfreulich gemacht haben. Während ich nach dem Schwimmen also auf dem Dach des Hotel geduscht habe, wurde ich von mehreren Tauben recht genau beobachtet. Ich hab gerufen: Was wollt ihr von mir!?!??! Und die Tauben haben mal wieder nix gehört. Taube eben. Spaß beiseite... nachdem ich mit dem Duschen fertig war, liefen die Tauben ebenfalls zur Dusche und haben dort getrunken aus der Pfütze. Das war nicht so leicht für die Täubchen, also habe ich ihnen beide Duschen angemacht und so wurde das Trinken zur Party, die Party zur Orgie und jetzt gibt es viele viele Tauben mehr auf der Insel. My bad.
Dann bin ich also irgendwann weiter nach Süden und habe dank Internet einen Surfstrand gefunden, der sich "Bahia feliz" nennt. Als ich ankam, war klar: hier ist es herrlich. Hier bleibe ich erst einmal. Auch das Hotel war toll, "Playa Feliz" von Grupotel. Hier stimmt einfach alles; vor allem: Surfmaterial Verleih in unmittelbarer Nähe! Ich habe innerlich gejubelt. Weil äußerlich jubeln ist irgendwie komisch. Das mache ich nur alle Jubeljahre. Ich habe mal nachgeschaut, woher dieses Wort "Jubeljahr" eigentlich kommt... es kommt mal wieder aus der römisch-katholischen Kirche, ursprünglich jedoch aus dem Hebräischen. Schena jodel ist das Erlassjahr, ein Jahr, in dem alle 50 Jahre Schulden erlassen werden müssen, Schuldsklaven freigelassen werden und Land neu verteilt wurde. Zum Glück der Großgrundbesitzer war natürlich die Lebenserwartung damals nicht so hoch :-)
Die Römer haben schenat jodel als "annus jubilaeus" übersetzt, was wiederum im Deutschen zu "Jubeljahr" wurde. Allerdings war der katholischen Kirche dieser kommunistische Ansatz, alle 50 Jahre den Besitzlosen Land "zurück" zu geben wohl suspekt und so haben sie nur einen Sündenerlass alle 100 Jahre erklärt. Das wurde den Päpsten wohl ein bisschen lagweilig, also haben sie ab 1475 eingeführt, dass das Jubeljahr alle 25 Jahre stattfinden soll. Ab 1500 also gab es dann eine Zeremonie, wo der Papst mit einem goldenen Hammer eine Tür "aufbricht", nämlich die heilige Pforte, die es unter anderem im Petersdom gibt. Tatsächlich war 2025 so ein "heiliges Jahr", habe ich voll verpasst, jetzt müssen wir wieder bis 2050 warten, um durch die Pforte zu gehen und uns die Sünden erlassen zu lassen. Alle Jubeljahre halt.
Naja, jedenfalls habe ich mir dann Surf Material gemietet, bin raus, draußen waren krasse Wellen und starker Wind, so dass ich innerlich "hui" dachte. Ich denke äußerlich habe ich auch "hui" gesagt und der Wind hat die ganze Zeit "hui" gemacht. Ich bin dann gestürzt, was jetzt an sich keine Schande ist, nur leider auf den Baum, tja. Bin dann wie ein begossener Pudel zurück, habe erst mal Eiswürfel besorgt und habe pausiert. Apropos begossener Pudel: Ich habe mal geschaut, woher der begossene Pudel kommt: Pudel bedeutet wohl im Niederdeutschen: Pfütze. "sich pudeln" heißt wohl im Dialekt: sich im Wasser hin und her bewegen. Daher nannte man Hunde, die auf die Jagd von Wasservögeln spezialisiert waren, "Pudelhunde". Der "nasse Pudel" kam wohl bereits in den Räubern von Schiller vor.
Die folgenden Tage habe ich vor allem zugeschaut und ein bisschen gelesen, vor allem im Buch "was vom tage übrig blieb" von Kazuo Ishiguro. Das Buch ist echt lustig, also es ist ja erst mal überraschend, dass jemand mit so einem japanischen Namen ein vollkommen britisches Buch schreibt, das mitten in England nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1956 spielt. Und der Witz des Buches erschließt sich erst nach einer Weile, aber umso lustiger ist es dann. Denn der Autor schweift immer derartig meisterhaft vom Thema ab, dass man schon irgendwann anfängt zu verzweifeln, was jetzt nun eigentlich die Geschichte ist, da der Butler Stevens ständig abkommt von der Erzählung. Eigentlich will er nur von einem Ausflug erzählen, den er unternimmt, um gleichzeitig eine ehemalige Mitarbeiterin im Haus der Lordschaft anzuwerben als erneute Haushälterin. Auf Seite 230 von 290 Seiten hat er es immer noch nicht bis zu ihrer Haustür geschafft. Es ist zum Verrücktwerden aber auch sehr sehr unterhaltsam.
Weißt Du, wie man jemanden sehr neugierig macht? Erzähle ich Dir morgen!
Ich esse auch immer im selben Restaurant meine geliebten "Papas arrugadas" also runzlige Kartoffeln. Gestern saß ich da mal wieder und hatte wohl schon eine Weile nichts mehr bestellt, da kam ein aufgebrachter Mann auf mich zu und schrie mich an: Man sitzt hier nicht rum ohne etwas zu bestellen und setzte sich wieder zu seinem Kumpel ans andere Ende des Restaurants. Ich wusste erst gar nicht, wie mir geschah, habe mich dann sortiert und habe gedacht: Was würde Graf von Bratwurst tun? Ich habe den beiden eine Sangria bestellt und Ihnen dann von der Ferne zugeprostet. Wer ist jetzt das Opfer?
Ich. Na gut.



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