Zauberer Europapark
- vor 2 Tagen
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Am Sonntag werden wir hier im "schönsten Freizeitpark der Welt" unsere 200. Show gespielt haben... wir hatten am Donnerstag (hier ein Feiertag) einen sehr merkwürdigen Tag, wo wir bei allen drei Shows keine richtige Stimmung produzieren konnten, ich fühlte mich etwas wie die Tennisspielerin Sabalenka, die nach ihrem Ausscheiden aus dem Turnier in Paris gefragt wurde, wie sie sich fühle, geantwortet hat: Ich fühle gar nichts, ich will eigentlich nur mit Tennis aufhören ... ich dachte am Abend, dass es vielleicht an mir liegt, dass ich einfach meinen Horizont überschritten habe, dass ich nicht mehr lustig bin und nicht mehr interessant auf der Bühne... naja, dann kam der nächste Tag und alles war beim Alten. Dann habe ich mit TechnikerInnen gesprochen und die haben mit bestätigt, dass auch in anderen Shows Totentanz war an diesem Tag. Es lag also entweder am Wetter oder am Mond oder daran, dass wir uns derzeit im Jahr des Feuerpferdes befinden... das findet alle 60 Jahre statt laut chinesischem (Aber-)Glauben und besagt, dass es zu extremen Ereignissen im Guten wie im Schlechten kommt. Ich fand den Tag extrem merkwürdig. Vielleicht aber lag es auch am kollektiven Gedächtnis, nämlich der Tatsache, dass es ein katholischer Feiertag ist und die Gäste eigentlich auf einer Prozession sein müssten als gute KatholikInnen und daher ein gewisses schlechtes Gewissen rührte. Vielleicht sind daher auch wieder einige Menschen aus dem Theater gegangen während der Vorführung. Das war kein Exitus, das war eine Prozession! Auch möglich.
Eigentlich sollte ich dankbar sein für solche Momente, denn sie zeigen Schwachstellen der Show auf. Wir haben eine Stelle drin, wo wir Quatsch erzählen auf Deutsch und auch auf Englisch und Französisch. Ich habe mich immer etwas schlecht gefühlt bei Quatsch auf Französisch und wusste nicht recht warum. Ich glaube, wenn ich so drüber nachdenke, die FranzösInnen waren bislang etwas beleidigt, dass ich ihre Sprache verballhorne. Als Deutscher ist das vielleicht wirklich etwas problematisch. Also werde ich mal "Marcel Proust" ausprobieren heute: "Longtemps je me suis coucher de bonne heure..."
Eine ähnliche Schwachstelle ist noch die Stelle in der Show, wo ich die Maschine starte, da bin ich noch immer etwas ra(s)tlos, da muss ich nochmal ran. Insofern sind schwierige Showtage Gold wert....
Ich musste sehr lachen über einen diskriminierenden Witz eines Gastes gestern abend... er ist leider diskriminierend und daher kann ich ihn nicht wiederholen... ok, na gut, ich erzähle die Situation trotzdem. Denn zum einen sind zwar diskriminierende Geschichten nicht ok, weder heute noch damals noch in der Zukunft, aber es sind eben auch Geschichten und wir interessieren uns alle für Geschichten, damit wir draus lernen. Es war gestern abend, mich hat Graf von Bratwurst besucht im Europapark und er hat mal wieder das komplette Restaurant unterhalten aus dem Nichts. Es führte dazu, dass an einem Moment gestern abend eine Gruppe aus etwa 10 Meter entfernung skandierte: Zauberer! Zauberer! Zauberer! ... sie wollten offensichtlich einen Trick sehen. Dazu kam eben so: Graf von Bratwurst war schon vor mir im Restaurant, und stand bereits neben dem Tisch mit dem Kellner aus Rumänien und die beiden fachsimpelten über Falschspielertricks... das zu schreiben ist allein schon sehr problematisch, aber eben Tatsache. Wir haben was gegessen und immer wenn die Kellner kamen, mussten sie eine Karte ziehen oder ähnliches. Sie kamen sehr oft oder blieben gleich. Die gute Laune an unserem Tisch zog Aufmerksamkeit auf sich und so kam es dann dazu, dass wir zu dem Tisch mit zwei Schweizer Paaren gingen. Bratwurst machte gerade den Schwammball Phallus Trick und da hatte nun der eine Gast den Schwammball Phallus bereits in der Hand und er bekam die Anweisung, an etwas schönes zu denken... er nahm das sehr ernst, sagte: Ich möchte, dass mein Vater wieder da ist und öffnete die Hand... der Rest ist Schweigen.
Aber das war gar nicht der diskriminierende Witz. Denn später wollte der Kellner noch etwas mehr Hintergrund-Fragen stellen und sagte, dass er ja auch früher als Kind gern Zauberei geschaut habe und man aber heute dafür Zeit brauche und im Leben sonst nicht viel zu tun... manche hätten ja Zeit und machten gar nichts... Thomas lenkte das Gespräch auf die alten Griechen, die ja auch nur rumgelaufen seien und dabei nichts gemacht haben ausser zu philosophieren, ich glaube der Kellner sagte dann: Die heutigen Griechen tun ja auch nix. Jetzt ist es raus :-)))) Sowas ist nicht lustig und diskriminierend :-)
Apropos Marcel Proust: Ich habe in letzter Zeit oft Einschlaf Probleme... ich glaube es liegt am Mittagsschlaf... mein Körper hat sich dran gewöhnt, dass ich nur einschlafe, um 5 Minuten später wieder aufzuwachen... also schlafe ich auch nachts ein und bin kurz danach wieder wach, wie bei Marcel Proust eben.
Ich bin hier in Rust bei Edeka in einen Holländer "reingelaufen", wir kennen uns wohl von Palazzo, ich weiss nicht mehr genau wo und wann das erste Treffen war; er ist hier inzwischen ansässig und arbeitet in einem "bürgerlichen" Beruf. Er kam auf mich zu und sagte: er habe immer noch das Projekt, wieder ein Palazzo aufzumachen in Amsterdam, (es gab mal eins, aber gibt es wohl nicht mehr, habe nix gefunden.) und wen würde er dann anrufen auf jeden Fall? Ich hab gewartet... er: Scott und Muriel, die seien sowieso die besten. Später kam die Ergänzung: Aber wir kämen ja auch mal in Betracht, wir müssten mal Nummern austauschen. Ich konnte mir nicht verkneifen zu sagen, dass ich vor Ende 2029 sowieso leider keine Zeit habe, war eigentlich etwas billig. Aber die Wahrheit :-)



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