Ernste Zauberkunst
- vor 2 Stunden
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"Solange wir uns selbst nicht ernst nehmen, wird es auch niemand anderes tun.“ Dieser Satz von Julia Cameron in ihrem Buch "The artists way" oder auch: "Der Weg des Künstlers" hat mich berührt. Tatsächlich sind wir Zauberer und Zauberinnen einem ständigen Zweifel ausgesetzt... typischerweise kann sich im Gespräch oft niemand recht vorstellen, dass man Zauberkunst beruflich macht und als Zaubernde/r wartet man quasi darauf, dass jemand fragt: "Und was machen Sie sonst so?" oder: "Was machen Sie tagsüber?". Nun in meinem Fall ist das leicht... Diamond und ich treten ja tagsüber auf. Eine andere Antwort wäre möglicherweise: "Ich erhole mich tagsüber von Fragen wie diesen", aber das würde vermutlich einen Keil in die Koversation treiben. Die brutalste Stimme, die Dich und den Beruf des Zaubernden nicht ernst nimmt, ist jedoch die eigene... schließlich existiert am Ende des Show-Tages: Nichts. Nur eine Erinnerung an die vergangenen Shows, aber auch diese ist diffus, zumal wir gerade bei Show Nummer 115 angekommen sind hier im Europapark seit März. Und dieses "Nichts" konfrontiert Dich eben ständig mit der Frage, ob das wirklich etwas ist, was man da macht. Die Annahme, ein Künstler muss ein alkoholtrinkender beziehungsunfähiger extravaganter Sonderling sein, hilft auch nicht unbedingt.
Gegen dieses Image versucht das Buch von Julia Cameron anzugehen... sie wird übrigens in 2 Jahren 80 Jahre alt... sie sagt, dass wir schon das spielende Kind herauslassen müssen, was natürlich "kindlich" und damit "nicht erwachsen" klingt. Allerdings sagt sie auch, dass wir das eben auch dürfen und müssen, denn das "Universum" verpflichtet uns zu Kreativität. Diesen scheinbaren Widerspruch zwischen Kindsein und Erwachsensein löst Cameron durch den Satz: „Kreativität ist ein Akt des Mutes – das Kind in uns wagt es, der Erwachsene in uns macht es möglich.“ (sinngemäß) ... der Erwachsene gibt also den Rahmen, unterstützt das Kind und reglementiert es. So muss der Erwachsene das Kind motivieren, früh aufzustehen, die Erwachsene muss dem Kind das Handy wegnehmen, die Erwachsene muss das Kind verpflichten, bei einer Sache zu bleiben, wenn das Kind 1000 Sachen gleichzeitig anfangen will.
Cameron war übrigens verheiratet mit dem berühmten Regisseur Martin Scorsese bis er eine Affäre mit Liza Minelli begann... Willkommen, bienvenues, welcome!
Schön finde ich bei Julia Cameron, dass sie betont, dass wie Kunstschaffende keine Einzelgänger sein müssen und sie führt Gertrude Stein an, die ab 1903 in Paris den "Salon de Fleurus" in der Pariser Rue de Fleurus bei sich zuhause betreibt. Picasso und Matisse sind dort unter anderem Gäste, aber auch Hemingway. In "Midnight in Paris", einem meiner Lieblingsfilme des umstrittenen Woody Allen, sagt Gertrude zu Gil: Wir alle fürchten den Tod und hinterfragen unseren Platz im Universum. Die Aufgabe des Künstlers ist es nicht, der Verzweiflung zu erliegen, sondern ein Gegenmittel gegen die Leere des Daseins zu finden.
Ich war Tennis spielen und habe gemerkt, dass ich teilweise zu alt bin für die heutige Zeit... ich Eumel hatte online gesehen, dass noch jede Menge Plätze frei sind in Kippenheim und bin da einfach hingefahren. Vor Ort wurde mir dann von der Dame an der Rezeption gesagt, dass eine Buchung nur online geht. Damit ging das Theater los... mehr im Podcast :-)



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