Comedy Zauberer
- info4525495
- 28. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Heidelberg ist bald Geschichte... heute ist schon Freitag und morgen ist die letzte Show hier im Wintervariete. Wir haben ungefähr 45 Shows gespielt, davon hatten wir etwa 42 mal Standing ovations. Recht guter Schnitt, wenn man standing ovations als Maß der Dinge sieht. Natürlich würden die Gäste nicht aufstehen, wenn sie nicht rundum zufrieden wären... und dennoch ist es eine Entscheidung der Regie und damit des Produzenten, ob standing ovations gewünscht sind. Manchmal hat man damit das Gefühl, dass man ohne standing ovations das gute Gefühl und die Dankbarkeit für eine gute Show nicht "abregnen" lässt mit den Standing Ovations, sondern mit nach draußen nimmt, um die Menschen anzustecken mit guter Energie. Wenn man die Gäste "unten" lässt, kann das die Energie "oben" halten auch nach der Show.... nur so ein Gedanke.
Apropos standing ovations: Ich war mit einem Teil des Casts vom "Wintervariete" zu Besuch in Bad Nauheim und habe mir die Show des "OVAG" Varietes angeschaut. Als ich am "Sprudelhof" und "Badehaus II" und weiteren Jugendstil Gebäuden vorbeikam, wurde ich nostalgisch: Vor allem weil ich schon wieder alles vergessen hatte, was ich über Wilhelm Jost und die anderen Architekten des Jugendstils gelernt hatte. Ich habe gleich nochmal nachgeschaut und war wieder beeindruckt von der Begeisterung, die dieser Mann für gute Architektur hatte... in einem Gespräch mit ihm fiel unter anderem der Satz: "Mensch, wenn Du einen Friedhof baust, muß er so stimmungsvoll sein, daß der Besucher vor Begeisterung gleich Selbstmord begeht, um dort begraben zu werden." Dabei ist mir auch aufgefallen, dass ich das "Neue Inhalatorium" nicht angeschaut habe und dass ich das noch einmal nachholen muss, zumal es sich heutzutage um die Stadtbibliothek handelt - also gibt es schon zwei gute Gründe, sich das Inhalatorium anzusehen.
Ach ja, die Show im "Dolce" war wieder einmal sehenswert, besonders wegen der Zauberkollegen "Duo Sonambul", die die Moderation in die Hände genommen haben. Besonders ihre Darbietung "question and answer" hat mir super gefallen und ich habe keine Ahnung, was das Trickgeheimnis dahinter ist. Der Effekt: In der Pause wird ein Zuschauer beauftragt, besondere Geschichten zu sammeln, die andere Gäste aufschreiben. Diese Geschichten "erkennt" Vivian mit geschlossenen Augen und werden von den Aufschreibenden bestätigt. Diese Geschichten sind natürlich auch etwas "gefährlich", da sie natürlich auch traurig sein können, wie die Geschichte der Dame, die von ihrem ersten "Toten" als Rettungssanitäterin berichtete. Aber so ist das Leben: Voller Risiken und wir können froh sein, wenn wir noch unter den Lebenden weilen.
Ich hatte danach noch ein längeres Gespräch mit Roman und Vivian und wir haben alte Zeiten aufleben lassen. Schade war, dass sie ihre Zwei-Personen-Telepathie nicht gezeigt haben... schuld daran waren Diamond und ich, denn da wir unsere Darbietung letztes Jahr gezeigt haben, mussten sie auf ihre tolle Nummer in diesem Jahr verzichten.
Was habe ich aus der Show gelernt? Dreieinhalb Stunden Show sind nicht zu lang, zumindest wenn die Moderation passt und man wieder einmal über 40 Künstlerinnen und Künstler parat hat. In den ersten 20 Minuten waren bereits 15 Personen auf der Bühne.... eine richtige Wundertüte, dieses OVAG Variete.
Ich war auch im Kino und habe: Rental Family mit Brendan Fraser geschaut. Der Film hat sehr lustige Elemente, ist aber nicht ganz auf dem "Punkt", da sich der Film nicht fokussiert auf eine Geschichte, sondern auf zweieinhalb. Der Ausgangspunkt ist ein erfolgloser amerikanischer Schauspieler in Japan, was ja erst mal eine recht gute Ausgangsposition ist. Er wird von einer Agentur engagiert, um "echte" Rollen im Leben anderer zu spielen. So soll er den Bräutigam einer lesbischen Frau mimen, um ihrer Familie eine "normale" Beziehung vorzugaukeln. Oder auch den Vater eines Kindes, was natürlich zu persönlichen Bindungen und zu Lügen und Komplikationen führt. Ich mag den Schauspieler Brendan Fraser recht gern, ich fand auch seinen Wikipedia Eintrag über seine Herkunft lustig: "Er entstammt einer Familie mit irischen, schottischen, deutschen[3], tschechischen und frankokanadischen Wurzeln.[4] Sein Vater war in der Tourismus- und Reisebranche tätig." (Wikipedia)
Sowieso bin ich grad ein großer Fan von Kanada nach der Rede vom Premierminister Mark Carney in Davos, die als Gegenentwurf zu der Allianz der "Schurkenstaaten" (auch neuerdings "Friedensrat" genannt) eine Allianz des fairen Miteinanders vorschlägt. Seine ruhige, verständige und wortgewaltige Art ist mir ein Vorbild. Vielleicht sollte man die Rede auswendig lernen. Man merkt, dass Mark in Harvard auf die Uni gegangen ist... tatsächlich hatte ich da auch einmal einen Kontakt nach Harvard über meinen Rechtsgeschichte Professor Uwe Wesel, der mit 90 Jahren vor drei Jahren gestorben ist. Uwe Wesel wollte mich für eine Doktorarbeit in Harvard vorschlagen, aber ich hatte damals keine Lust :-)
Funfact aus dem Leben von Uwe Wesel: er arbeitete als "Tallyman" im Hamburger Hafen. Ich erinnere mich an ihn vor allem wegen seines Humors. Ich habe mir seine Autobiografie Wozu Latein, wenn man gesund ist? Ein Bildungsbericht auf meine Bucketlist gesetzt.
Zurück zu Duo Sonambul: Mir gefallen ihre irrwitzigen Einwürfe und Gedanken, die Vivian auf der Bühne einstreut. Sie könnte alles sagen, zum Beispiel:
Wie nennt man eine dicke Pomelo? Pummelo. Find ich jetzt lustig.
Ich wurde an dem Abend öfter gefragt, warum ich so viel arbeite und ich bin immer etwas verwundert über die Frage... schließlich ist ja die Bühne weiterhin mein Traum und ich bin immer noch hungrig auf neue verrückte Sachen. Natürlich könnte ich nicht das ganze Jahr Dinnershow machen, denn Dinnershows haben irre eigenen Regeln und ich gehe meistens irgendwie verletzt von der Bühne, da oftmal Menschen zusammenkommen, die der Bühnenkunst nicht unbedingt den wichtigsten Rang in ihrem Leben einräumen. Das sei ihnen verziehen, denn schließlich sind nicht alle Menschen "freiwillig" im Raum, etwa wenn sie als Teil einer Firmenfeier dabei sein "mussten". Aber es ist halt auch auf Dauer nicht erfüllend. Ich werde mir dieses Jahr zumindest mal ein neues Kostüm für die Dinnershow schneidern lassen, um da auch noch etwas mehr rauszuholen - besonders für mich selbst. Vielleicht gehe ich als Vorspeise, Hauptspeise und Dessert. Gute Idee eigentlich.
Ich muss mal TJ Wheels Respekt zollen dafür, dass er nicht nur eine starke Nummer macht, sondern dass er wirklich als einziger im Cast alle Nummern anschaut und lernen will. Das ist wirklich immer spannend, jemanden zu haben, der im Backstage Dir Kommentare zu Deiner Show gibt. Genauso geben Diamond und ich ihm auch Feedback zu seiner Nummer. Manchmal spiele ich quasi für ihn im Backstage. Von ihm habe ich auf jeden Fall eine Präzision meiner Sprache gelernt. Mit ihm habe ich das Gefühl eines Verbündeten. Dank Dir Till.



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